Ohne Reisen könn ma nit

Klirrende Kälte, der Wind pfeift und wir liegen zu zweit in einem Einmannzelt, das Mücken regelmäßig zur Happy Hour einlädt. Gratis trinken bis zum Umfallen. Klar, dass sich da auch hin und wieder mal eine Spinne dazugesellt. Doch die fliegen in einem so hohen Bogen wieder raus, dass sie für einen kurzen Moment denken ihnen sind Flügel gewachsen. Aber ohne Red Bull klappt das leider nicht.

Am Urlaubsziel kommen wir sowieso nicht an. Wie auch? Wenn alle Wege immer nach Rom führen. So nehmen wir die Schotterstraße in Kauf, die uns in die schwedische Pampa lotst und einfach verschluckt. Aber wie heißt es so schön: Schau nach vorne und nie zurück, denn in der Zukunft liegt das Glück. Doch spätestens, wenn tausende Steinchen gegen das Mietauto prallen und es sich anfühlt, als ob wir bei einem Konzert von Stomp ist, wissen wir, dass das Glück uns schon vor der Reise verlassen hat.

In Restaurants ist uns immer schlecht. Zum einen weil wir schon hungrig sind und zum anderen, weil uns beim Bezahlen der Rechnung fast die Augen rausfallen. Doch es gibt eine günstige Lösung: Fritten, Waffeln, Burger. Anstatt Fettpölsterchen zu verbrennen, legen wir uns beim Reisen einfach welche an. Spätestens wenn wir beim Rückflug vier Sitze brauchen, ist klar, warum wir beim Schalter für Extra-Kilos zahlen müssen.

Doch all diese Erfahrungen, führen dazu, dass die schönen Momente noch sehr viel besser sind. Nach der Nacht mit den Mücken, sehen wir uns gemeinsam mit ihnen den Sonnenaufgang an. Bei der Autofahrt begegnen uns nicht nur Tiere in freier Wildbahn, sondern auch Chinesen, die auf die Jagd nach den besten Ikea-Fotos sind. Beim Essen mit Freunden, freuen wir uns über kostenloses Gemüse, dass unsere Extra-Kilos purzeln lässt. Und als wir nach Kanada eingeladen werden und gleich zusagen, wissen wir: Ohne Reisen könn ma nit.

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Ins Berghain reinkommen konninit

Wir stehen vor dem berühmtesten Techno-Club der Welt. Selbst die Stars betteln hier um Einlass. Anstatt „Holt mich hier raus“ schreien sie „Lasst mich hier rein!“ Doch eine Zauberformel gibt es nicht. So summen wir 1 ½ Stunden „Knock, knock, knockin‘ on Hell’s door“ und hoffen dabei, dass am Ende jemand aufmacht.

Die Chancen stehen schlechter einen Dresscode für’s Berghain zu finden, als zu sich selbst. Denn die Kriterien sind streng geheim, die darüber entscheiden, ob man eintreten darf oder nicht. Es heißt, Tattoos sollen gut ankommen. Vielleicht sollte ich mir eines mit dem Schriftzug „Wer braucht den Schlüssel zum Herzen, wenn er einen für’s Berghain hat“ stechen lassen.

Da steht er: Sven Marquardt, der berüchtigtste Türsteher der Underground-Welt in Berlin. Wie ein Bulldozer sieht er aus, bereit alles niederzufahren, was sich ihm in den Weg stellt. In Wahrheit ist er wahrscheinlich ein feiner Kerl, der Enten im Park füttert und alten Damen über die Straße hilft. Auf die Gästeliste vom Berghain kommen sie aber trotzdem nicht.

Dann sind wir an der Reihe. Ich blicke Sven direkt an. Er trägt eine Sonnenbrille, seine Augen sind versteckt – funkeln sie rot? Es kommt mir vor, als ob wir Blickduell spielen. Wer zuerst lacht, verliert. Doch in dem Spiel ist Sven wohl Meister. Er schüttelt den Kopf. „No“, sagt er und winkt weiter. Gute Mädchen kommen in den Himmel, Böse gehen ins Berghain. Und so böse sind wir dann wohl doch nicht.

Damit ihr euch ein besseres Bild machen könnt, hier unsere Snapchat-Story: 

In Berlin Langeweile haben konninit

In Berlin Langeweile haben konninit

Endlich darf ich selbst mal Berlin – Tag & Nacht erleben. Drei Monate arbeite ich jetzt als Freelancerin bei WELT/ICON und schnuppere Berliner Lifestyle-Luft. Langeweile haben konninit. Dabei erkunde ich hier das Universum des Axel Springer Verlags und öffne mit meinem Ausweis so manche geschlossene Tür – so auch bei den GQ Care Awards.

Liftfahrten bei Axel Springer sind sehr kurios. Manchmal fährt man auf und ab, ohne ans Ziel zu gelangen. Wohl eine Hommage an das Leben. Dabei lernt man ständige neue Leute kennen, die man einmal grüßt und dann nie wiedersieht. Etwas das sich Männer wohl von einem One-Night-Stand wünschen.

In Berlin gibt es immer einen Laden, der offen hat. Selbst am Feiertag kann man sich mit hundert anderen vergesslichen Seelen im Edeka um die letzten Brötchen zanken oder wartet in einer Warteschlange, bis ein Security-Guide einen Einlass gewährt. Ich glaube nicht mal im Berghain wird so streng kontrolliert.

Die Ampeln in Berlin lieben die Farbe Rot. Mit Grün setzen sie nur Farbakzente. Das sind aber auch die einzigen Farben, die ich zu Gesicht bekomme. Schwarz liegt hier voll im Trend. Wenigstens falle ich dieses Mal nicht nur wegen meinem Dialekt, sondern meiner farbenfrohen Klamotten auf.

Die Berliner reden gerne – ich auch. It’s a match. Doch während ich oft noch Small-Talk führe, haben sie sich schon wie ein Maulwurf in die Tiefe gegraben. So schnell kann man gar nicht schauen und schon unterhält man sich über eigene Träume und Krisen. Während die Berliner es auf den Punkt bringen, habe ich noch ein großes Fragezeichen im Gesicht. Berliner Schnauze eben.

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Stillstehen konn i nit

Stillstehen konn i nit

Ich gehe gerne mal einen Schritt vor, zu Seite und wieder zurück. Dafür brauche ich am Opernball nicht anwesend zu sein. Ich tanze auch so Walzer. Im Dreiviertel-Takt bewege ich mich durch’s Leben. Die Hauptsache ist, ich muss nicht stehen bleiben und dem Trott der Gewohnheit verfallen. Stillstehen konn i nit.

Ich bin wie ein Backpacker auf der Durchreise. Immer am Sprung und nie ganz da. Wenn ich schlafe, träume ich davon wach zu sein. Wenn ich ankomme, bin ich schon wieder weg und wenn ich entspanne, bin ich schon gestresst. Ich bin ein Meister im Spiel Ich packe meinen Koffer und nehme mit. Wobei das nicht ganz der Wahrheit entspricht, meistens vergesse ich meinen Pyjama.

Ich bin wie eine Künstlerin. Ständig mit Pinsel und Zettel bewaffnet, um meine nächsten Schritte aufzuzeichnen. Ich versuche meine Wege zu strukturieren und systematisch festzuhalten, doch am Ende sehen alle Bilder gleich chaotisch aus.

Ich bin wie eine Schatzjägerin, die immer darauf aus ist ein Abenteuer zu erleben. So ziehe ich in die nächste Stadt und versuche sie mit Walzerschritten zu erobern. Ich merke, dass ich keinen Plan brauche, um die schönen Momente zu bergen. Die tauchen von ganz alleine auf, während ich im Dreiviertel-Takt durch die Stadt tanze.

Stillstehen konn i nit

Ohne Serien leben konn i nit

Ohne Serien leben konn i nit

Ich habe gesehen wie ein Vater und liebender Ehemann Menschen tötet. Ich wurde Zeuge wie sich ein krebskranker Chemielehrer zum Drogenboss transformiert. Ich habe live mitverfolgt wie sich eine Frau durch den Alltag im Gefängnis kämpft und jetzt gerade sehe ich vier Teenies dabei zu wie sie das Verschwinden ihrer Freundin aufklären. Glaubt mir, alles hat ein Ende. Nur das Schauen von Serien nicht.

Verrät mir jemand ein Geheimnis, dann antworte ich Friends share secrets, that’s what keeps us close. Erzählt mir eine Freundin von einem Streit, dann sage ich: At the end of the day you are a garden rose, and that bitch is a weed. Verkleide ich mich zu Halloween, dann denke ich: I am a very neat monster und wenn meine Mum an der Tür klopft schreie ich I am the one, who knocks.

Ich habe ein Geheimnis. Ich bin seriensüchtig. Ich habe auf Play gedrückt und jetzt finde ich den Ausschaltknopf nicht mehr. Weder auf meinem Bildschirm noch in meinem Kopf. Manchmal läuft auch dort ein Film ab. Dann sehe ich Jon Snow, der endlich einsieht, dass ihm auf der Mauer zu kalt ist und mit mir nach Hawaii fliegt oder Frank Underwood, der mich dabei unterstützt für meine Träume zu kämpfen.

Versteht ihr jetzt, was ich meine? Ohne Serien leben konn i nit. Und falls ihr wisst, von welchen Serien ich gesprochen habe, dann könnt ihr es auch nicht. Ich habe die Namen in diesem Eintrag nämlich nie erwähnt. Wie Red zu sagen pflegt: All problems are boring until they’re your own. Lasst uns doch die nächste Serie gemeinsam ansehen: Winter is coming and we know what’s coming with it. We can’t face it alone.

Gefühllos

Gefühllos sein konn i nit

Eine Fahrt mit dem Silver Star, der in fünf Sekunden von 10 auf 130 km/h beschleunigt und eine Neigung von 69 Grad hinunterbrettert, ist langweilig im Vergleich zu meiner Achterbahn der Gefühle. Und nein diesen Wortlaut habe ich nicht von Helene Fischer geklaut. Er ist eine Eigenkreation meinerseits, um die Anschnallpflicht hervorzuheben, die bei einer Mitfahrt notwendig wird. Gefühllos sein konn i nit. Das Tolle ist, niemand braucht für die Fahrt anzustehen, sie ist gratis und der Adrenalin-Kick ist inklusive.

Meine Emotionen sind so breit gefächert wie die Produktpallette von Amazon. Doch die Gefühlspakete die ich ausliefere, müssen nicht bestellt werden. Sie kommen unangekündigt und überraschend. Wenn ich fröhlich gestimmt bin, verteile ich Lach- und Berührungspackages. Bin ich hingegen wütend und innerlich am Kochen, gibt es eine Ladung Dampfwolken. Getragen von Windböen, die den großen Sturm ankündigen, der sich langsam zusammenbraut.

Ja, Gefühle sind anstrengend, sie reißen einen mit, wie ein Raftingboot im Wildwasserkanal. Sie treiben einen an, brechen aber auch gerne mal über dem Boot zusammen und waschen einen durch. Manchmal gestalten sie die Fahrt entspannt, andere Male bringen sie das Boot zum Kentern. Feststeht jedoch, dass sie erst die Spannung liefern. Ohne sie wäre unser Leben nur eine geradlinige Fahrt, eine vorhersehbare Bestellung, eine Rafting-Tour im stillen Gewässer.